Die Illusion der Kontrolle

7. Mai 2013

Mit den heutigen 24/7 Anforderungen ist unsere Aufmerksamkeit geteilt und wir werden ständig gezwungen, uns auf das Dringendste zu fokussieren, nicht unbedingt auf das Wichtigste. So muss es aber nicht sein, sagt Janice Marturano.

Kontrolle ist eine der größten Illusionen der Menschheit. Lassen Sie uns hinschauen – selbst mit all den verfügbaren Informationen und umfassendem Bildungssystem, stören unerwartete Ereignisse oft unsere Pläne und Bemühungen, ein bestimmtes Ergebnis oder Ereignis (oder uns selbst!) zu kontrollieren. Und was passiert mit uns, unseren Teams und Organisationen, die wir leiten, wenn die Dinge zusammenbrechen?
Für viele von uns ist das tagesabhängig. Es gibt Zeiten, in denen wir einem Hindernis begegnen und es als Möglichkeit für kreative Lösungen sehen, – eine Herausforderung, die wir sogar spannend finden. Dann gibt es andere Zeiten, in denen ein ungebetener Störfaktor uns komplett aus dem Konzept bringt, Verwirrung und Stress stiftet und letztendlich in verbalen Streits oder sogar physischen Ausuferungen enden kann. Diese Rektionen sind im besten Fall kontraproduktiv und schlimmstenfalls respektlos und verletzend für uns selbst und andere.

Es hängt alles von der Fähigkeit unseres Geistes ab, – an diesem Tag, in diesem Moment – schnell wieder Gleichgewicht herzustellen, damit wir mit genug Freiraum und Kreativität reagieren können.

Glücklicherweise ist es möglich diese Kapazität des Geistes zu kultivieren und zu üben – auf dieselbe Art wie wir unseren Körper trainieren, um kräftiger, flexibler und fit zu werden. Damit dieses Training insbesondere effektiv ausfällt, sollte es in den Kontext gestellt werden, unsere Kapazität im Leadership zu stärken und zu erweitern.
In den letzten Jahren, in denen neue Leadership-Trainings aufgekommen sind, hat sich das Wissen darum verfestigt, dass Menschen in Führungspositionen die Kapazität haben, sehr starken Einfluss auf andere und die Welt auszuüben – zum Besseren oder Schlechteren. Es wurde auch erkannt, dass die Mehrheit der Leute in Leadership-Positionen einen starken Geist, hohe Expertise und ein gutes Herz hat.

Ein solches Training für den Geist basiert auf der mentalen Disziplin von Achtsamkeitsübung. Es kultiviert die ureigene Fähigkeit des Geistes präsent zu sein, und es wendet das Gelernte auf das alltägliche Leben an. Forschungsergebnisse waren bisher teilweise verblüffend – sowohl darüber was Leute bereits über ihr Leben wahrnehmen als auch was sich in kürzester Zeit entwickelt. Es gibt Übungen, die besonders relevant für das Topmanagement sind, aber auch Achtsamkeits-Kurse die für alle Führungsebenen und Führungspotenziale einer Organisation geeignet sind.


Ein Forschungsprojekt, das mehr als 75 Teilnehmer von drei Achtsamkeits-Leadership-Kursen befragt hat, hat erstaunliche Erkenntnisse zu Tage befördert. Die Teilnehmer bewerteten 19 Statements bzgl. der Häufigkeit von bestimmten Verhalten auf einer Skala von 1-6 („fast immer“ bis „fast nie“). Bei den Antworten zum Statement „Ich bin fähig vollkommen präsent in einem Gespräch zu sein“ haben nur 34% die zwei oberen Boxen angegeben (fast immer, sehr oft). Fast 2/3 wussten, dass sie meistens nicht 100% zuhören in einer Konversation. Nachdem die Teilnehmer über sieben Wochen Achtsamkeit geübt hatten, stieg die Anzahl von 34 auf 74 Prozent. Sobald Teilnehmer anfangen, diese Kapazität zu entwickeln und zu bemerken, wenn ihr Geist nicht präsent ist und ihre Aufmerksamkeit zurückführen – als Teil ihrer Aufgabe während des Kurses – , realisieren sie auch was in einem Geisteszustand fehlt, der nur teilweise „da“ ist. Ähnliche Zahlen konnten beobachtet werden bei der Frage zur Fähigkeit, komplett präsent zu sein in Meetings, Konferenzen und Präsentationen. (31% vor dem Kurs, 75% nach dem Kurs).


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