Schüchtern und glücklich?

22. Mai 2013

Wie hilft Achtsamkeit bei Schüchternheit?

Autor Steve Flowers erklärt, wie wir schüchtern und dabei glücklich sein können.
Mit Achtsamkeit lernen wir, in dem unendlichen Fluss von Momenten unseres Lebens präsent zu sein, – ohne zu urteilen oder zu versuchen, unsere Erfahrung zu verändern. Dies ist eine freundliche, neugierige und offene Aufmerksamkeit, die wir alle besitzen, welche wir jedoch nicht sehr oft erfahren, da wir so selten wirklich präsent sind und die Dinge so akzeptieren wie sie sind.
Problematische Schüchternheit und soziale Ängste sind normalerweise von sich aus selbstkritisch und abweisend, während die Natur von achtsamem Gewahrsein mitfühlend und akzeptierend ist. Wenn man lernt, auf sich selbst eher mit Aufmerksamkeit als mit Kritik zu blicken, wird ein enormer Wandel passieren: wir sehen die Gewohnheitsmuster des Geistes und Verhaltens, welche das Leiden durch Schüchternheit noch verschärfen. Das neue Gewahrsein kann jedoch diesen harten Griff der alten Gewohnheitsmuster lockern und ihren Einfluss auf uns reduzieren.
Die prinzipielle Arbeit einer achtsamkeitsbasierten Herangehensweise, um mit Schüchternheit umzugehen, ist daher, seine Aufmerksamkeit und Mitgefühl zu steigern und diese wenn immer möglich in das tägliche Leben zu integrieren.

Ich möchte eine wichtige Unterscheidung machen: Es geht nicht darum, die Schüchternheit loszuwerden oder Gedanken und Gefühle zu ändern. Es geht darum eine mitfühlende Haltung dazu zu entwickeln.

Schüchternheit wird dann nur eine weitere Facette unserer bunt schillernden Persönlichkeit darstellen. Du kannst aufhören, damit zu kämpfen und sie einfach da sein lassen, während du dich auf die Facetten deiner Selbst konzentrierst, die du gern fördern möchtest.
Achtsamkeitsbasierte Herangehensweisen haben sich in vielfältigen Studien als effektiv erwiesen, um Angst und Depression zu reduzieren (z.B. Orsillo and Roemer 2005). Jedoch wird das reine intellektuelle Verstehen der Vorteile von Achtsamkeit nicht ausreichen, um uns von dem Leiden durch Schüchternheit zu befreien. Man muss Achtsamkeit üben, um den Nutzen und die Wirkung für sich umzusetzen. Der Schlüssel zur Heilung auf dem Weg der Achtsamkeit ist, das Gewahrsein wirklich zu erfahren – nicht darüber nachdenken, lesen oder es studieren. In einem Gespräch mit dem Meditationslehrer Larry Rosenberg vor ein paar Jahren, erzählte er mir: „Ich brauche nicht die Forschung, um zu wissen, dass Meditation gut für mich ist.“
Schüchtern zu sein, bedeutet nicht, dass etwas mit einem nicht stimmt. Man kann schüchtern sein und dabei glücklich und tief verbunden mit anderen Menschen sein und seine eigenen Werte realisieren. Die Schüchternheit selbst ist nicht der eigentliche Grund für das Leiden, sondern welche Haltung man dazu hat. Achtsamkeit bietet die Möglichkeit, an der Haltung gegenüber der Schüchternheit zu arbeiten und so ihren Einfluss auf das Leben stark zu mindern oder aufzulösen. Die mentalen Gewohnheiten und Verhaltens-Muster der Schüchternheit, die das Leiden verursachen, operieren unbewusst und automatisch. Dagegen ist die Absicht der Achtsamkeit bewusst und gut überlegt. Wenn wir uns vom Unbewussten zum Bewussten hinbewegen, werden unser Selbstkonzept und unsere Gedankenmuster weniger substantiell und in Stein gemeisselt wirken.


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