Meditation und Mut

22. Januar 2015

Meditation und Mut – Ein Gespräch mit Karl-Ludwig Leiter

Frage: Was hat Wagemut mit Meditation zu tun?
Antwort: In der Meditation geht es darum, zu entdecken, wer wir wirklich sind. Seltsamerweise haben
viele Menschen gerade davor Angst. Wir vermuten schlimme verborgene Dinge tief in uns drinnen, die
man besser nicht hoch kommen lässt – Ecken und Winkel in unserem Wesen, die man lieber nicht
anschauen mag.

Einige Menschen sind sich dieser Ängste sehr klar bewusst – ihnen fehlt oft nur das richtige Werkzeug,
um damit umzugehen. Den meisten Menschen jedoch ist gar nicht klar, wie weit ihr Leben von
Ängsten und Beklemmung bestimmt wird.

Furcht äußert sich nicht nur darin, dass Menschen verschüchtert in der Ecke sitzen. Ängste
verstecken sich oft hinter den glatten Fassaden von Professionalität oder hinter der rastlosen
Geschäftigkeit der Workaholics.

Frage: Und das alles kommt bei der Meditation hoch? Das klingt bedrohlich.
Antwort: Bedrohlich für wen? Für den, der sich mit seiner Angst identifiziert oder für den, der mutig ist?

Frage: Hat man denn da eine Wahl?
Antwort: Man hat immer eine Wahl. Ob man in gewohnten Bahnen weiter läuft, oder ob man
Veränderung zulässt – das entscheiden wir in jedem Augenblick neu. Die Frage ist: Begegnen wir
unserem Leben mit Mut und Offenheit oder suchen wir zwangsläufig immer wieder die vermeintliche
Sicherheit von Gewohnheit, ständiger Wiederholung und festgefahrener Regeln und Routine?

Frage: Und Meditation ist die Lösung?
Antwort: Eldridge Cleaver, eine alte Hippie Legende, hat gesagt: Man ist entweder Teil des Problems
oder Teil der Lösung. Es ist eine Frage der Offenheit des Geistes, ob man sich überhaupt bewusst ist,
dass man eine Wahl HAT!

In der Meditation schaffen wir einen Raum, der genau diese Offenheit ermöglicht. Genauer gesagt, wir
werden uns bewusst, dass dieser Raum schon immer da war. Genau davor haben wir ja Angst, die
Ungewissheit von offenem Raum, nicht zu wissen, wie es weiter geht, keine Garantie, keine
Sicherheit… Deshalb ziehen wir es vor, in engen kleinen Welten zu leben – die sind überschaubar,
vertraut und wir glauben sie sicher unter Kontrolle zu haben.

Frage: Und was genau macht man in Ihren Seminaren?
Antwort: Die Teilnehmer erhalten eine ausführliche Anleitung, wie die traditionelle, Jahrtausende alte
Meditationspraxis geht. Das ist nicht kompliziert und kann auch von Anfängern sehr schnell erlernt
werden. Dennoch ist es schwer dies zu tun, nicht weil die Übung selbst komplex und schwierig ist,
sondern weil unsere altbekannten Gewohnheiten so fest und verkrustet sind. In der Meditation gibt es
nichts zu tun und viele Menschen glauben, genau das nie und nimmer tun zu können. Meditation ist
eine Frage des Lassens – des Loslassens. Im Zusammenhang mit dem Thema Angst geht es darum,
die Fixierung und Anhaftung an eben diese Ängste los zu lassen. Das ist oft nicht so einfach, wie es
klingt, aber vielleicht viel viel leichter als man denkt.

Es gibt nur einen Weg das heraus zu finden: Man muss es machen. Ohne den Mut, sich den eigenen
Ängsten zu stellen, indem wir sie offen und ehrlich anschauen, werden diese beklemmenden Gefühle
nie verschwinden. Dazu müssen wir uns ein kleines Stück hinaus wagen in ein unbekanntes Land, ein
Land von Offenheit und neuem Potential.

Dazu braucht es Mut – Lebensmut, Wagemut und Sanftmut.

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