Ganz anders als gedacht, gehofft, erwartet oder geglaubt

17. Februar 2015

Meditation und der Mut, der zu werden, der man ist.

Die traditionelle Meditation im Sitzen ist die weltweit bekannteste Methode zur Selbsterkenntnis und Selbstverwirklichung. Mit dieser einfachen Übung hat der historische Buddha vor über 2.500 Jahren Erleuchtung erlangt. So jedenfalls wird es seit vielen vielen Jahrhunderten in den Kulturen Asiens überliefert.
Der Buddha hat die höchste Form der Erkenntnis eines Menschenlebens dadurch erlangt, dass er aufrecht und still in sich selbst ruhend einfach nur da gesessen hat, wo er auch körperlich anwesend war. Er hat sich einen schattigen Platz im Schutz eines Baumes gesucht und sich dort aus weichem Kusha-Gras einen bequemen Sitz geformt. Er hat weder zu viel noch zu wenig Nahrung zu sich genommen und seinen Körper und seinen Geist mit freundlicher Disziplin in Harmonie und Einklang gebracht.

Diese Übung ist in mündlicher Überlieferung von Generation zu Generation weiter gegeben worden und wurde und wird bis zum heutigen Tag von unzähligen Menschen aus den unterschiedlichsten Kulturen und Religionen praktiziert. In Sanskrit heißt diese Übung „Shamatha Vipasshyana“ und im Zen Buddhismus ist sie als Zazen bekannt. Shamatha heißt: In Frieden verweilen und Vipassyana bedeutet: Klar sehen.

Wenn wir in aufrechter Haltung und mit wachem Geist einfach und still in uns selber ruhen, kommen wir (wieder) in Verbindung mit dem, WIE und WAS wir im Grunde unseres Wesens sind und schon immer waren: Zuversichtlich und klar, warmherzig, intelligent, kreativ und voller Mut.

Meditation braucht Mut. Den Mut und die Bereitschaft, sich so anzuschauen, wie man wirklich ist. Ohne Illusion und ohne Selbstbetrug. Vielleicht sind wir ganz anders als gedacht, gehofft, erwartet oder geglaubt. Vielleicht sind unsere Wünsche, Vorstellungen, Ängste oder Befürchtungen nicht so fest und unveränderlich, wie wir denken. Vielleicht sind wir selber in Wirklichkeit völlig anders als wir denken – und wir haben uns all die Jahre nur mit einem bestimmten Bild, einer Idee oder einer Vorstellung von uns selbst identifiziert. Unmerklich haben wir uns Tag für Tag immer weiter an ein bestimmtes Selbstbild gewöhnt, bis wir es für solide halten und uns selber als Gefangene eines ausweglosen Schicksals sehen.
Das Bild und die Vorstellung, die wir von uns selbst haben, offen und kritisch zu hinterfragen, braucht Mut. Sich still hinsetzen und sich mit Hilfe einer einfachen aber höchst wirksamen Methode unvoreingenommen anzuschauen braucht Mut. Meditation ist lebendiger Ausdruck dieses Mutes. Es ist die Bereitschaft sich so zu sehen, wie man tatsächlich ist. Echte Meditation bestätigt uns nicht darin, der zu sein, der man wünscht zu sein, befürchtet zu sein, glaubt zu sein oder der man denkt zu sein.

Echte Meditation bringt uns in Verbindung mit dem, was wir im Grunde unseres Wesens schon immer waren und sind:

Grundlegend gut!

Auch die Meditation ist nicht das, was man denkt!